Ab wann lohnt sich die Vollkaskoversicherung?

Im ersten Teil haben wir uns im Allgemeinen mit der Fragestellung befasst, ab wenn sich eine Vollkaskoversicherung in der Autoversicherung lohnt und rechnet. Nun folgen ein paar Beispiele, die Ihnen das einmal veranschaulichen sollen.

Was sind die Konsequenzen nach einem Unfall, den man selbst verschuldet hat?

Zuerst muss man sich überlegen, welche Konsequenzen es nach sich zieht, wenn das Fahrzeug aufgrund eines selbstverschuldeten Unfalls nur noch Schrott ist oder es massiv beschädigt wurde? Kann man sich ohne weiteres ein neues oder gebrauchtes Fahrzeug kaufen? Oder müsste man dafür einen Kredit aufnehmen?

Beispiel (1): Ein Ehepaar verdient zusammen im Monat 4.000,- Euro netto, hat eine umfangreiche Altersvorsorge abgeschlossen, Basis-Risiken abgesichert und wohnt in einem schuldfreien Haus. Außerdem verfügt das Paar über liquidierbare Mittel (Tagesgeld, Fonds) in sechsstelliger Höhe. Die Familie kauft sich nun einen Neuwagen mit einem Wert von 50.000 Euro. Das Fahrzeug nutzt der Mann, um im 20 km entfernten Ort zu arbeiten. Die Frau fährt mit dem Stadtbus oder dem Fahrrad auf Arbeit. Die Bedeutung des Fahrzeuges liegt hier nun darin, dass der Mann auf Arbeit fahren kann, um Geld verdienen zu können. Was kostet es die Familie, wenn der Neuwagen selbstverschuldet nur noch schrottreif wäre? So lange dem Mann und den Fahrzeuginsassen dabei nichts passiert ist, wohl eher nur ein müdes Lächeln. Durch die hohen Bargeldreserven könnte die Familie schnell ein neues Auto kaufen, aber wenigstens einen Gebrauchtwagen. Die Vollkaskoversicherung würde zwar den Neuwagen in so einem Fall absichern, jedoch kann die Familie aus eigener Kraft ein neues Auto kaufen, ohne dass sie sich woanders großartig einschränken müsste.

Beispiel (2): Ein Single-Mann im Alter von 25 Jahren kauft sich einen 6 Jahre alten Gebrauchtwagen zu einem Preis von 8.000 EUR. Da er kein Erspartes hat und sich auch nichts bei seinen Verwandten oder Bekannten leihen kann und will, kauft er das Auto über eine Kfz-Finanzierung über 4 Jahre. Das Auto benötigt er für seine Arbeit, einerseits um in die Geschäftsstelle zu gelangen, da es keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt und andererseits, um Kundenbesuche machen zu können. Kurzum: Ohne Auto könnte er kein Geld verdienen. Bargeldreserven hat er keine, sein Girokonto bewegt sich immer um plus/minus Null und er wohnt zur Miete. Er hat eine Hausrat-, Privathaftpflicht- und Berufsunfähigkeitsversicherung. Sein monatliches Einkommen reicht derzeit dafür aus, um seine laufenden Kosten zu decken und in seine Altersvorsorge ein paar Euro zu stecken. Nun ist die Frage, ob sich trotz des hohen Fahrzeugalters eine Vollkaskoversicherung noch lohnt? Dazu braucht man sich nur die Frage zu stellen, was im Fall eines selbstverschuldeten Unfalls passiert? Die Kosten der Kfz-Finanzierung sind mit dem Unfall noch längst nicht vom Tisch und müssen beglichen werden! Da das Auto seine existenzielle Grundlage ist und er ohnehin schon eine Finanzierung am Bein hat, „muss“ er sich wohl oder übels für eine Vollkaskoversicherung entscheiden.

Sie sehen, dass die Empfehlung, eine Vollkasko abzuschließen oder wegzulassen, von den individuellen Umständen abhängt, die es erfordern oder nicht erforderlich machen.